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Aus der Pädiatrie

Vom 18.01.2012 bis zum 20.05.2012 zeigt die Stiftung Topographie des Terrors in Berlin die Gastausstellung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) "Im Gedenken der Kinder. Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit".

Ort der Ausstellung: Dokumentationszentrum Topographie des Terrors - Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin

Öffnungszeiten: täglich 10 - 20 Uhr
Eintritt frei

Nähere Einzelheiten finden Sie hier.



Soziale Phobien sind bei Jugendlichen häufig 
 
Soziale Phobien sind bei Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren weit verbreitet. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität, an der über 600 Jugendliche verschiedener Schulen in Frankfurt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg teilnahmen. 13 Prozent der Studienteilnehmer berichteten über erhebliche Ängste vor Begegnungen mit Menschen und vor Situationen, in denen Leistungen von ihnen erwartet werden.

Mit 10,6 Prozent gegenüber 17 Prozent ist der Anteil „hoch-sozial-ängstlicher“ Schüler aus ländlichen Gebieten etwas geringer als in den Städten. Mädchen sind in dieser Gruppe mit 59 Prozent stärker vertreten als Jungen; Unterschiede zwischen den Schulformen stellten die Forscher nicht fest.
„Diese psychische Störung ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter, wobei soziale Ängste mit einem hohen Risiko für einen vorzeitigen Schulabbruch einhergehen,“ erläutert die wissenschaftliche Geschäftsführerin der Verhaltenstherapieambulanz, Dr. Regina Steil.

Nach Angaben der Expertin können soziale Phobien erfolgreich behandelt werden. Allerdings  gibt es bisher in Deutschland kaum Studien bei Jugendlichen mit sozialer Phobie, in denen die Wirksamkeit von Psychotherapie untersucht wird. Aus diesem Grund wird nun im Rahmen einer großangelegten multizentrischen Therapieforschungsstudie unter anderem an der Goethe-Universität in Frankfurt ein Wirksamkeitsvergleich von zwei in der Praxis häufig eingesetzten Therapieverfahren durchgeführt.

Für diese Studie werden von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität in Frankfurt jugendliche Studienteilnehmer im Alter zwischen 14 und 20 Jahren, die an Symptomen der sozialen Phobie leiden gesucht. Die Behandlung ist als Einzeltherapie angelegt und umfasst nach der Eingangsdiagnostik  25 Sitzungen. Nachuntersuchungen erfolgen sechs und zwölf Monaten nach Ende der Therapie.

Quelle: idw-online.de/de/news441369

PS


Techniker-Kasse kritisiert die Zunahme der Psychopharmaka-Verordnungen für Kinder und Jugendliche

Einen deutlichen Anstieg der Verordnung von Psychopharmaka bei Kindern meldet die Techniker Krankenkasse (TK) aufgrund der Verordnungsdaten ihrer Versicherten.

Rund 29 000 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und siebzehn Jahren erhielten nach Angaben der TK 2010 Medikamente zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS). Dies sind 9000 Kinder und Jugendliche mehr als im Jahr 2006.

Auch bei der Verordnung von anderen Psychopharmaka wie Neuroleptika und Antidepressiva ist aus Sicht der TK eine bedenkliche Zunahme zu beobachten: Mehr als doppelt so viele TK-versicherte Kinder und Jugendliche erhielten im Jahr 2010 Risperidon, ein Arzneimittel, das bei Erwachsenen zur Behandlung von Psychosen eingesetzt wird, wie im Jahr 2006.

Kritisch bewertet die TK auch die Zunahme der Verordnungen von Antidepressiva für Kinder und Jugendliche durch Hausärzte.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 108, Heft 44, Nov. 2011

Annette Porcher-Spark


Essstörungen: Ansteckungsgefahr im Internet?

Kann man sich im Internet mit Essstörungen anstecken? Dieser Frage gingen Wissenschaftler an der Forschungsstelle für Psychotherapie (FOST) am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums in Heidelberg nach.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Risiko durch sogenannte Pro-Essstörungswebsites, also Foren und Blogs, in denen Essstörungen und Untergewicht propagiert werden, relativiert werden kann. Nach Angaben der Studienleiter ist damit zu rechnen, dass bei etwa 30 Prozent der überwiegend jungen und weiblichen Leserschaft solcher Internetseiten ein erhöhtes Risiko für Essstörungen und damit die Gefahr für eine schädliche Wirkung besteht.

Die Daten sprechen dafür, so die Wissenschaftler, dass der schädliche Effekt durch solcher Pro-Esstörungswebsites mit der Wirkung von anderen Selbsthilfewebsites vergleichbar ist.

Quelle: Newsletter des Zentrums für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg 04/2011

Annette Porcher-Spark                 
 


Künstliche Hörschnecke für schwerhörige Kinder
Cochlear-Implantat möglichst früh einsetzen

Bonn – Benötigen Kinder aufgrund einer Innenohrschwerhörigkeit ein Cochlear-Implantat, sollte dieses möglichst vor Vollendung des zweiten Lebensjahres eingesetzt werden. Dies zeigt eine Auswertung der Behandlungsergebnisse des Freiburger Implant-Centers im Rahmen einer Doktorarbeit. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) zeichnete den Autor für seine Erkenntnisse jetzt mit dem Dissertationspreis, dem sogenannten Plester-Preis, aus. Der Preis ist mit 3 000 Euro dotiert.

„Ein Cochlear-Implantat gehört bei hochgradig schwerhörigen oder tauben Kindern heute zum medizinischen Standard“, sagt Professor Dr. med. Roland Laszig, Past-Präsident der DGHNO KHC und. Es sei unbestritten, dass die Hörprothese Sprache und Sprachverständnis der Kinder verbessere und ihre spätere schulische und berufliche Entwicklung fördere, so der Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik in Freiburg. Unklar war bislang jedoch, in welchem Lebensalter die Operation erfolgen sollte, erläutert Preisträger Dr. med. Rainer Linus Beck, der jüngst an der Universität Freiburg zum Doktor der Medizin promoviert wurde: „Anfangs verzichteten HNO-Mediziner auf eine frühzeitige Versorgung der Kinder, da der langfristige Nutzen noch nicht ausreichend gesichert war“.

Inzwischen liegen Langzeitergebnisse vor: In seiner Dissertation wertete Beck die Hörtests von 771 Patienten aus, die an der Universität Freiburg zwischen 1993 und 2004 operiert wurden. Darunter waren 493 Kinder und Jugendliche. Kinder, die ihr Cochlear-Implantat vor Vollendung des zweiten Lebensjahres erhielten, entwickelten ein deutlich besseres Sprachverständnis. Auch im Vergleich zu Erwachsenen, die nach Spracherwerb ertaubt waren, kommunizierten die Kinder verbal besser.

Die Ergebnisse stimmen laut Beck mit den Erfahrungen anderer Zentren im In- und Ausland überein. „Alle Studien kommen zu dem Ergebnis: Je früher, desto besser“, berichtet Dr. Beck, der deshalb die Einführung eines flächendeckenden Neugeborenen-Hörscreenings in Deutschland sehr begrüßt. Diese Reihenuntersuchungen würden die Früherkennung verbessern und damit auch die Behandlungsergebnisse von frühkindlichen Innenohrstörungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) hebt in ihrer Begründung zur Preisverleihung hervor, dass Dr. Beck die weltweit größte Datenbank von mit Cochlear-Implantat-versorgten Kindern analysieren konnte, von denen viele über fünf Jahre oder länger beobachtet wurden. „Die Dissertation gibt Klinikern auf diese Weise eine fundierte Grundlage für die Entscheidung für oder gegen ein Cochlear-Implantat an die Hand“, sagt Professor Laszig. Darüber hinaus helfe sie Ärzten dabei, Eltern zukünftig noch besser über den geeigneten Zeitpunkt der Operation und das zu erwartende Rehabilitationsergebnis zu beraten. Die DGHNO KHC vergibt den Dissertationspreis seit 2001 jährlich. Sie fördert damit junge Wissenschaftler und deren Forschung in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Das Preisgeld von 3 000 Euro stellt die Plesterstiftung bereit.

Quelle:
Sprachverständnis bei Kindern nach Versorgung mit Cochlear Implant – Langzeitergebnisse – Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Medizinischen Doktorgrades der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie verfolgt die Förderung der wissenschaftlichen und praktischen HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Zu ihren Aufgaben zählen die Wahrung der Einheit des Fachgebietes der HNO-Heilkunde, die Weiter- und Fortbildung auf dem Fachgebiet sowie die Unterstützung und Beratung anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, von Gesundheitsbehörden und anderen Einrichtungen bei Belangen der HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Die Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie ist mit ihren knapp 4.500 Mitgliedern in Klinik und Praxis die größte Vereinigung klinisch und praktisch tätiger HNO-Ärzte in Deutschland und in Europa. 

Ihre Kontakte für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.
Pressestelle: Anna Julia Voormann / Christina Seddig
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart


Presseinformation:
Neue Wege in der Epilepsiebehandlung bei Kindern

Berlin, 8. Juli 2011. - „Unser Ziel in der Behandlung epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher ist die Anfallsfreiheit, nicht nur die Linderung der Krankheit“, erklärt Johannes Otte, wissenschaftlicher Leiter des diesjährigen Kinder- und Jugendärztekongresses 2011. Die Chancen auf ein Leben ohne Anfälle haben sich für Kinder und Jugendliche mit Epilepsien in den letzten 5 Jahren enorm erhöht: dank intensiver Diagnostik, neuer Antiepileptika und neuer Techniken in der Epilepsiechirurgie. Zudem lassen die neuesten Erkenntnisse der Epilepsieforschung, die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Ende September in Bielefeld vorgestellt werden, auf weitere Erfolge hoffen.

Komplexe Diagnostik
Die Diagnose einer kindlichen Epilepsie setzt eine anspruchsvolle Beobachtung und Analyse der Anfälle voraus, erschwert durch höchst unterschiedliche Anfallsformen. Typische Fälle im neuropädiatrischen Alltag: Ein fieberndes Baby wird eingeliefert, das zu Hause blau anlief und auch kurz Zuckungen zeigte.  Ein Kleinkind stockt inmitten eines Trotzanfalls, verstummt plötzlich und wird steif. Ein junges Mädchen hyperventiliert, fällt schlaff in sich zusammen und verliert für kurze Zeit das Bewusstsein.
Prof. Otte:„Ob hier ein Fieber- oder Affektkrampf, ein psychogener Anfall oder tatsächlich eine Epilepsie vorliegt, muss sorgfältig geklärt werden.  Bei unklaren Fällen zählen wir hier auf ein stationäres Spezialmonitoring über 24 oder gar 48 Stunden mittels EEG, Video und Monitor. Wiederholt sich die Symptomatik ohne Resonanzen im EEG, können wir eine Epilepsie ausschließen – und dies ist bei rund 20% der Kinder der Fall.“

Neue Medikamente
Neue Antiepileptika haben in den letzten Jahren die Aussichten auf ein anfallsfreies Leben deutlich verbessert.  Noch vor wenigen Jahren war die Suche nach dem passenden Medikament häufig langwierig und von Fehlschlägen begleitet, da Antiepileptika höchst unterschiedlich wirksam sind.
Mittlerweile hat die personalisierte Medizin auch in der Epilepsietherapie Einzug gehalten – ein enormer Fortschritt für die betroffenen Kinder und Jugendlichen: „Heute ist die genetische Diagnostik eines Kindes mit Epilepsie genauso selbstverständlich wie die Auswertung des klinischen Befundes, des EEG und der Bildgebung.  Die genetische Klassifizierung in Typen lässt eine sichere Prognose zu, welches Medikament greifen wird“, so Prof. Dr. Johannes Otte. Mit diesem steten Wissenszuwachs kann die konservative medikamentöse Behandlung wesentlich gezielter ansetzen. Trotz dieser Erfolge ist auch heute die antiepileptische Therapie bei etwa 20% der Patienten nicht erfolgreich. 

Neue Techniken der Epilepsiechirurgie
Häufig sind es die ganz Kleinen, deren Epilepsie sich als therapieresistent erweist. Einige der meist 1- bis 3-Jährigen können von den Fortschritten der Epilepsie-Chirurgie profitieren. Bei bestimmten Krankheitsbildern verzeichnet  dieser Bereich hohe Erfolgsquoten: Die genaue Markierung  des epileptogenen Herds durch Monitoring, EEG und Bildgebung ermöglicht gezielte und schonende operative Eingriffe. In Bielefeld-Bethel werden bei weitem die meisten epilepsiechirurgischen Eingriffe in Europa vorgenommen. Neue, resektionsminimierende Konzepte werden entwickelt, und für die meisten Kinder sind die Aussichten auf eine Dauerheilung ohne wesentliche neurologische Folgen gut.
Die gut 2.000 Kinder-und Jugendärzte, die zur DGKJ-Tagung vom 22. – 25. September erwartet werden, treffen an einem Ort zusammen, der über eines der größten Epilepsiezentren weltweit verfügt – hier werden jährlich rund 1.200 Kinder und Jugendliche stationär betreut. Der wissenschaftliche Austausch befasst sich damit mit einem pädiatrischen Schwerpunktthema, „das hier in Bielefeld und Bethel zu Hause ist“, so Prof. Dr. Otte, der die Bielefelder Kinderklinik leitet.

Das Programm und alle Informationen zur 107. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin finden Sie online unter www.dgkj2011.de
Pressekontakt:
Prof. Dr. Johannes Otte
über
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
Dr. Sybille Lunau, Ref. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Chausseestr. 128/129 | 10115 Berlin
Tel. +49 30 3087779-14 | Fax +49 30 3087779-99
presse@dgkj.de  | www.dgkj.de


Pressemitteilung              Minden/Olpe, 27.6.2011
Neue Website über Kinderpalliativversorgung in NRW

Minden/Olpe – Eine neue Webseite über die Vernetzung der palliativen Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Land NRW  ist seit Juni 2011 online. Sie ist unter der Adresse www.KiPallNet-NRW.de zu erreichen.  Die Website soll betroffene Familien sowie Leistungserbringer in Medizin, Pflege, Hospizarbeit und psychosozialen Arbeitsfeldern über die Möglichkeiten der palliativen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in NRW informieren.

Neben Ausführungen zum Inhalt von Palliativversorgung (u.a. rechtlicher Hintergrund, Versorgungsberechtigte) stellt die Website anhand des Google-Map-Systems Übersichtskarten mit Einrichtungen zur Verfügung, die im Rahmen der Palliativversorgung in Anspruch genommen werden können. Folgende Kategorien wurden bisher aufgenommen: Spezialisierte ambulante Palliativteams für Kinder und Jugendliche, ambulante Kinderkrankenpflegedienste mit Erfahrungen in der Palliativpflege, ambulante und stationäre Einrichtungen der Kinderhospizarbeit, regionale Kinderpalliativnetzwerke. Eine Link-Sammlung leitet weiter an wichtige Informationspartner.

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in NRW (MGEPA) hatte den Deutschen Kinderhospizverein e.V. beauftragt, die Vernetzung im Land NRW bzgl. der palliativen Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen einer Projektstelle weiter auszubauen. In diesem Zusammengang entstand auch der neue Internetauftritt.

Deutscher Kinderhospizverein e.V.
Projektstelle „Vernetzung ambulanter pädiatrischer Palliativversorgung in NRW“;
Telefon 0571/ 3 888 769 - 0171/ 9377 632, Anfragen beantwortet Elisabeth Glücks,
Mail: projektstelle-nrw@deutscher-kinderhospizverein.de


Vorsorge beim Pädiater mit "Kultur-Spritze"

Mangelnde Bildung führt oft zu Entwicklungsstörungen bei Kindern. Um Jugendliche aus sozial schwachen Familien kulturelle Bildung zu ermöglichen, gibt es in Düsseldorf nach der Teilnahme an der U 10, U 11 und J1-Untersuchung einen Theatergutschein.
Von Friederike Krieger

DÜSSELDORF. In Düsseldorf erhalten Kinder und Jugendliche Theatergutscheine, wenn sie spezielle Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. Das "Theater auf Rezept" soll es mit Unterstützung der Siemens BKK (SBK) auch bald in anderen deutschen Städten geben.

"Bildung ist für ein gesundes Heranwachsen extrem wichtig", sagt Dr. Hermann-Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Nordrhein, der das Projekt "Kultur-Spritze" mit ins Leben gerufen hat. In Deutschland existiere ein gutes medizinisches Kinder-Vorsorgesystem, das im internationalen Vergleich zu den besten gehöre.

"Der ärztliche Auftrag, die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu erhalten und zu verbessern, stößt aber in den letzten Jahren zunehmend auf neue Herausforderungen", sagt er.
Den Kinderärzten falle immer häufiger auf, dass mangelnde Bildung bei Schulkindern emotionale und kognitive Defizite hätten, die zu Entwicklungsstörungen führen.

"Musik und Theater sind wichtig für die Entwicklung", sagt Dr. Michael Strahl, HNO-Arzt aus Düsseldorf und Mitbegründer des Projekts. So begünstige etwa ein langer Ausfall des Musikunterrichts zentrale Fehlhörigkeit bei Kindern.

Durch die Gutscheine, die Düsseldorfer Kinderärzte nach den Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1 aushändigen, wollen sie vor allem Kindern aus bildungsfernen Schichten die Möglichkeit für einen Theaterbesuch eröffnen. Sie gelten für eine Vorstellung im Jungen Schauspielhaus Düsseldorf. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat der Sänger Peter Maffay übernommen.

Im ersten Jahr des seit September 2009 laufenden Projekts haben die Düsseldorfer Kinder- und Jugendärzte rund 15.000 Gutscheine verteilt. Eingelöst wurden davon bisher allerdings nur rund 500.

Mit Hilfe der SBK soll das Projekt nach und nach auf weitere deutsche Städte wie Berlin, München Frankfurt und Hamburg ausgeweitet werden. Die SBK unterstützt die "Kultur-Spritze" über die Stiftung  "Kinder und Jugend" des BVKJ finanziell und hilft auch bei der Organisation.

"In den Städten, in denen wir präsent sind, sprechen wir Pädiater sowie Theater auf eine mögliche Teilnahme an dem Projekt an", sagt Ralph Mühlenberg, Regionalgeschäftsführer der SBK.

Die Kasse erhofft sich dadurch eine bessere Resonanz auf die Vorsorgeuntersuchungen. "Die U-Untersuchungen sind besonders wichtig für die gesunde Entwicklung von Kindern und  Jugendlichen", sagt Mühlenberg.

Während die Untersuchungen, die in den ersten Lebensjahren des Kindes anstehen, relativ intensiv wahrgenommen werden, sind U10 (7. bis 8. Lebensjahr), U11 (9. bis 10. Lebensjahr) und J1  (12. bis 14. Lebensjahr) nicht gut besucht.

Ein Grund: U10 und U11 werden in der Regel nicht von der Kasse übernommen. "Um die Motivation zu steigern, bezahlen wir sie trotzdem", sagt Mühlenberg.

Von den Theatergutscheinen erhofft er sich zusätzliche Anreize. In Düsseldorf scheint es zu funktionieren: "Kinder sprechen die Ärzte inzwischen oft auf die Gutscheine an", sagt Kahl vom BVKJ.

In Berlin wird es voraussichtlich ab Sommer 2011 "Theater auf Rezept" geben. "Die Resonanz der Ärzte dort war riesig", sagt Stefan Fischer-Fels, künstlerischer Leiter des Jungen Schauspielhauses in Düsseldorf. Er wechselt bald zum Berliner Grips-Theater und hat schon mal Kontakt zu den örtlichen Medizinern aufgenommen.
Auch in Konstanz soll das Projekt bald starten. Darüber hinaus gibt es rund zehn weitere Anfragen von Ärzten und Theatern, die an dem Projekt teilnehmen möchten.

Interessierte Ärzte, die bei der "Kultur-Spritze" mitmachen wollen, können sich bei theateraufrezept@gmx.de melden.

Quelle: Ärzte Zeitung, 18.04.2011


Schlafmangel erhöht das Risiko für Adipositas bei Kindern

Kinder, die zu wenig schlafen, haben ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas. Dies ist nach Angaben  des Leiters der europaweiten Studie IDEFICS (Identification and prevention of Dietary- and lifestyle-induced health EFfects In Children and infantS) über Ursachen und Vermeidung von Fettleibigkeit bei Kindern eines der bisher wichtigsten Ergebnisse dieser großangelegten Querschnittsstudie, in der über 16000 Kinder zwischen zwei und neun Jahren aus acht europäischen Ländern untersucht werden.

Eine weitere wichtige  Botschaft der Studie, die jetzt im fünften und letzten Jahr läuft,  ist es, Kinder zu mehr Bewegung anzuregen. Dazu gehört auch Kindern, so der Studienleiter Professor Wolfgang Ahrens vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), eine bauliche Umwelt  zu gestalten, die Kinder zu Bewegung einlädt.

http://www.ideficsstudy.eu

Annette Porcher-Spark (PS)


Europaweite Schulstudie SEYLE: Alarmierende Ergebnisse

Besonders Mädchen leiden unter psychischen Problemen. Das ist ein erstes Ergebnis der europaweiten Schulstudie SEYLE (Saving and Empowering Young Lives in Europe).

Mit der Studie sollte der Prävention von selbstschädigendem Verhalten bei Jugendlichen auf den Grund gegangen werden. Erste Ergebnisse der deutschen Teilstudie, an der 1.411 Schüler aus 26 Schulen aller Schularten in der Rhein-Neckar-Region teilnahmen, wurden vor kurzem von Wissenschaftlern in Heidelberg vorgestellt: Rund ein Drittel der befragten Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren berichteten von Depressivität, 30 Prozent über Selbstverletzungen, 15 Prozent über Selbstmordpläne. 8 Prozent gaben an, bereits einen Suizidversuch unternommen zu haben.

Bei den männlichen Jugendlichen in diesem Alter standen Probleme mit Alkohol und Drogen im Vordergrund: 12 Prozent trinken wöchentlich oder häufiger Alkohol; 15 Prozent haben bereits Erfahrungen mit Drogen, 8 Prozent berichten über häufige Selbstverletzungen.

Im Rahmen der Studie wird noch weiter untersucht, welche Maßnahmen effektiv zur Prävention von selbstschädigendem Verhalten bei Jugendlichen beitragen und ihre psychische Gesundheit  am besten fördern. Ziel ist es, längerfristig wirksame Präventionsmaßnahmen für alle Schulen als festen Bestandteil der präventiven Gesundheitsförderung in Deutschland und in anderen Ländern zu etablieren.  
 
Annette Porcher-Spark (PS)