Daten/Definition: Wer ist Migrant? Wie ist die amtliche Datenlage?
Die amtliche Bevölkerungsstatistik arbeitet noch immer mit der Unterscheidung in Deutsche und Ausländer. Diese Einteilung ist trennscharf und hat ihre Berechtigung, sie sagt aber immer weniger über den Sachverhalt Migration aus. So haben viele Deutsche eine Zuwanderungsgeschichte oder viele Ausländer sind nie zugewandert sondern in Deutschland geboren.
Folgende Personengruppen zählen als Ausländer: (aus: BMFSJ, S. 15: Familien mit Migrationshintergrund)
- Ausländische Bevölkerung, unabhängig davon, ob sie im Inland oder Ausland geboren wurde,
- Alle Zugewanderten, d.h. im Ausland Geborenen, unabhängig von ihrer Nationalität (bzw. Spätaussiedlerinnen)
- Die in Deutschland als Ausländer geborene Bevölkerung, die später eingebürgert wurde,
- In Deutschland Geborene mit deutscher Staatsangehörigekeit, bei denen sich der Migrationshintergrund aus dem Migrationsstatus eines Elternteiles ableitet,
- Seit 2000 die (deutschen) Kinder ausländischer Eltern, die die Bedingungen für das Optionsmodell erfüllen, d.h. mit einer deutschen und einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland geboren wurden,
Nach der amtlichen Statistik (Mikrozensus 2005) bedeutet Migrationshintergrund:
- Personen haben entweder eine ausländische Staatsangehörigkeit,
- Sind seit 1950 nach Deutschland zugewandert oder
- haben mindestens einen Elternteil, der seit 1960 zugewandert ist oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt.
Nach dieser Definition von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bzw. Migrations-hintergrund (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Migrationshintergrund#Definition_des_Statistischen_Bundesamtes) können endlich auch Spätaussiedler und Aussiedler sowie eingebürgerte ehemalige Ausländer und Kinder von Ausländern statistisch erfasst werden, die aufgrund des neuen Staatsbürgerschaftsrechtes (ab 2005) mit der Geburt Deutsche sind. Allerdings sind Daten zu Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bzw. Migrationshintergrund nicht auf kommunaler Ebene verfügbar. Bei Kindern in Kindertagesstätten wird jedoch bereits der Migrationshintergrund erfasst. Die Schulstatistik wird in den nächsten Jahren umgestellt. Daher müssen Statistiker noch auf Kennzahlen zurückgreifen, die sich auf den ausländischen Pass beziehen. Sie sind dennoch Indikatoren für eine jeweilige Tendenz, die auch in etwa für Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt gilt. Deshalb beziehen sich die meisten Daten auf Ausländerinnen und Ausländer.
Über die Herausforderung einen Jugendmigrationsbericht zu schreiben findet man folgendes Paper des Deutschen Jugendinstituts: http://www.dji.de/bulletin/d_bull_d/bull95_d/DJIB_95.pdf
Epidemiologie – Häufigkeiten in der Bevölkerung
Nach Mikrozensus 2009 leben in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen mit Migrantionshintergrund. Das entspricht 19,6% der Bevölkerung Deutschlands. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Weitere Unterkategorien lassen sich mithilfe von zwei Gegensatzpaaren bilden:
- Etwas mehr als die Hälfte (54%) der Personen mit Migrationshintergrund sind deutsche Staatsangehörige, die anderen haben ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigekeit
Personen mit eigener Migrationserfahrung ( mit Geburt außerhalb Deutschlands) machen etwa zwei Drittel an den Personen mit Migrationshintergrund aus, während knappt ein Drittel Personen ohne eigene Migrationserfahrung sind.
Eine Sonderauswertung des BMFSJ zum Mikrozensus kommt zu dem Ergebnis, dass 2,3 Millionen von den etwa 8,2 Millionen Familien in Deutschland einen Migrationshintergrund haben. Das entspricht einem Anteil von 28,4% (ebenda). In einer weiteren Studie des Bundesfamilienministeriums wird erläutert, dass rund zwei Drittel der Familien mit Migrationshintergrund selbständig in der Lage sind, den Integrationsprozess zu bewältigen, doch bei einem Drittel der Mütter mit Migrations-hintergrund großer Unterstützungsbedarf besteht.
Der epidemiologische Kenntnisstand muss in Deutschland noch verbessert werden; insbesondere sozialraumbezogene Daten auf kommunaler und regionaler Ebene sind vonnöten (Konrad- Adenauer- Studie). Es gibt bisher nur die KIGGS Studie sowie die Studie der Konrad- Adenauer Stiftung zu Migration und Gesundheit (mit einem Kapitel für Kinder aus Migrantenfamilien) http://www.kas.de/wf/de/33.16451/
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