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Krankheitshäufigkeiten / Schutzfaktoren

Störungen, Defizite, Probleme

Ergebnisse von KIGGS

Krankheitshäufigkeiten bei verschiedenen Migrantengruppen (Türkisch- stämmig und Aussiedler);
Konkrete Erkenntnisse im Einzelnen (z.B. genetisch bedingte Erkrankungen; spezifische
Infektionskrankheiten); folgen Sie dem Link

KIGGS: Daten zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund; erste statistische Erhebungen; im Artikel: Definition Ausländer, Migranten usw. ansonsten zu statistischen Methoden und deren Auswirkungen auf die Endergebnisse (zu detailliert). Hier der direkte Link.

Kinderärzte berichten, dass unter Kindern mit psychosomatischen Beschwerden solche mit Migrationshintergrund überrepräsentiert sind.
Diese Beschwerden äußern sich klinisch, nach Angaben des Leiters des Sozialpädiatrischen Zentrums der Universität Ulm Prof. Harald Bode, in „Angstzuständen und depressiven Verstimmungen”, sowie in „anhänglichem und abhängigem Verhalten, Schlafstörungen und Albträumen, schmerzlich wiederkehrenden Erinnerungen, Regression (Sprache, Sauberkeit), verminderten Schulleistungen” und anderen „Verhaltensproblemen”. KiGGS führte zu ähnlichen Befun¬den: Bei Essstörungen zeigen Jugendliche mit Migrationshintergrund gegenüber Nicht-Migranten eine um 50 Prozent erhöhte Quote, und sie waren außerdem deutlich häufiger von Verhaltensauffälligkeiten (Hyper¬aktivität, Probleme im psychosozialen Verhalten) betroffen.

Psychosoziale Schutzfaktoren von Migrantenkindern

Zur Erklärung dieser zunächst rein deskriptiven Aussagen wurden im KiGGS die so genannten „psychosozialen Schutzfaktoren” untersucht, also jene sozialen und familiären Ressourcen, die eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern (z. B. positives Familienklima, emotionale Stabilität, Unterstützung aus dem sozialen Umfeld, [vgl. 70]). Es zeigte sich, dass unter Kindern mit Migrationshintergrund ein vergleichsweise größerer Prozentsatz über schwächere oder schwach ausgeprägte Schutzfaktoren verfügt. Zum Teil war dieser Befund – wie auch bei Kindern ohne Migrationshintergrund – mit einem niedrigen sozioökonomischen Status der betroffenen Familien korreliert.
Dies bedeutet, dass nicht alleine der Faktor Migration sondern der niedrige sozioökonomische Status als belastend anzusehen ist. Zusätzlich werden jedoch als migrationspezifische Aspekte ein vergleichsweise stärker ausgeprägte familiäre Zusammenhalt diskutiert (als besonders stark ausgeprägter Schutzfaktor der sozioökonomische Nachteile zum Teil auszugleichen in der Lage ist), sowie als besonders belastender Aspekt die Erfahrung von Ablehnung und sozialer Ausgrenzung durch Nicht-Migranten [vgl. 70, 196].

Fazit/ Schlußfolgerungen

Welche Konsequenzen sind aus der beschriebenen Gesundheitssituation von Kindern mit Migrationshintergrund zu ziehen? Zwei Punkte erschei¬nen essentiell: Zum einen muss der epidemiologische Kenntnisstand verbessert werden, wobei insbesondere eine sozialraumbezogene, auf die spezifischen lokalen Kontexte (kommunale oder regionale Ebene) und lokal formulierte Fragestellungen fokussierte Gesundheitsberichterstat¬tung hilfreich wäre, um entsprechend angepasste Präventions- und Versorgungsinitiativen entwickeln zu können. Zum anderen zeigen insbeson¬dere die besorgniserregenden Daten zur psychosozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, dass die medizi¬nischen Befunde oft nur Symptome von tiefer liegenden Problemen sozialer und gesell-schaftlicher Art sind. Die zentrale Frage lautet, wie die psychosozialen Schutz-faktoren von Migrantenkindern ihrer individuellen Situation und Familienbiografie entsprechend erhalten bzw. gefördert werden können. Ein Aspekt ist dabei die Förderung der Sprachentwick¬lung in mehr als einer Sprache, wobei die Be-herrschung der Muttersprache stets Voraussetzung für das Erlernen der Zweit-sprache ist (z. B. Deutsch, wobei die Konstellation auch anders gelagert sein kann, etwa bei Kindern aus binationalen Ehen oder Migranten der dritten oder weiterer Generationen mit nicht-deutscher Identität und Deutsch als Mutter¬sprache). Weitere Aspekte sind unter anderem stabile Lebensverhältnisse für die Eltern (ökonomisch, rechtlich) und soziale Akzeptanz im gesell-schaftlichen Umfeld.