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KINDERREPORT DEUTSCHLAND 2007: DEUTSCHLANDS WISSENSCHAFTLER SCHLAGEN ALARM
21.11.2007 – Im neuen Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes schlagen Deutschlands Wissenschaftler Alarm! Die umfangreiche Sammlung wissenschaftlicher Beiträge zu verschiedenen Aspekten der Kinderarmut in Deutschland wird mit diesem Sammelband erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Sozial benachteiligte Kinder ernähren sich ungesünder, bewegen sich weniger und sind verstärkten Belastungen der Umwelt ausgesetzt. Erschreckende Erkenntnisse zur Lage unserer Jüngsten und Ärmsten im Lande müssen die politisch Verantwortlichen in Deutschland endlich zum Handeln zwingen! „Seit der Einführung von Hartz IV hat sich die Kinderarmut in Deutschland auf mehr als 2,5 Millionen verdoppelt, und sie wächst trotz zurückgehender Arbeitslosigkeit. Diese erschreckenden Fakten fordern alle zum Handeln heraus. Unsere Gesellschaft befindet sich in einer großen Umbruchsituation. Die Globalisierung hat inzwischen auch Deutschland erreicht. Dies kann und darf aber nicht auf Kosten unserer Jüngsten gehen! Deshalb rufe ich alle politisch Verantwortlichen auf, handeln Sie endlich!“, so Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.
Das Deutsche Kinderhilfswerk hat einen Forderungskatalog zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland erstellt. Darin fordert es ein Nationales Programm für die Bekämpfung von Kinderarmut und einen eigenständigen Bericht der Bundesregierung. Diese soll dazu ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit konkreten Zielvorgaben vorlegen. Denn, so das DKHW, Armut habe erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Kinder: Sie bleiben immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich, ohne gute Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und ausreichende soziale Unterstützung. Zudem seien gerade die vielfach fehlenden Bildungschancen ein Problem, das „Armutskarrieren“ für die Zukunft vorprogrammiert. So gehen wichtige Potenziale der Kinder und Jugendlichen verloren. Das werde mittelfristig gravierende Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Leistung unseres Landes haben. Deutlich wird, Kinderarmut bedeutet viel mehr, als wenig Geld zu haben. So wie die unterschiedlichen Lebenslagen ineinander greifen, muss auch die politische Strategie aufgestellt sein: Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sind ebenso zu berücksichtigen, wie Familien- und Bildungspolitik, Gesundheits- und Sozialpolitik sowie Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik.
Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert die Aufhebung der im Steuersystem verankerten Benachteiligung von Familienhaushalten mit Kindern und den Ausbau des Kindergeldes zu einer eigenständigen Kindergrundsicherung. Diese soll den allgemeinen und individuellen Bedarfen von Kindern Rechnung tragen und einen bestmöglichen Zugang zu Freizeit und zu gesunder Ernährung beinhalten. „Kinderarmut ist kein bedauerlicher Kollateralschaden der Massenarbeitslosigkeit oder die Folge mütterlicher Erwerbsabstinenz, sondern sie wird systematisch durch eine Abgabenordnung generiert, welche den obersten verfassungsrechtlichen Grundsatz des Abgabenrechts – die Belastung nach Leistungsfähigkeit – für Kinder außer Kraft setzt und Durchschnittsverdiener schon bei nur zwei Kindern unter das Existenzminimum drückt!“, betont Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter aus Darmstadt.
Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert aber auch die gezielte Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund über ein Bildungsprogramm, das um interkulturelle Inhalte ergänzt wird, und das eine gezielte Sprachförderung und die Beteiligung von diesen Kindern in besonderer Weise berücksichtigt. Weiterhin ist die Verbesserung der gesundheitlichen Beratung und Versorgung von Familien mit Migrationshintergrund durch eine verstärkte Öffnung und Erweiterung der bestehenden Gesundheitsdienste voran zu treiben. „Bildungsbenachteiligung führt zu mangelnder Beschäftigung und Integrationsdefiziten. So verlassen beispielsweise in NRW ca. 14 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne Abschluss und damit doppelt so viele wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Wer sich damit abfindet, verweigert Kindern und Jugendlichen eine faire Chance und gefährdet den sozialen Frieden“, so Petra Klug, Projektmanagerin der Bertelsmann Stiftung.
Der „Kinderreport Deutschland 2007“ erscheint im Velber-Verlag und hat die ISBN-Nummer 978-86613-417-1.
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