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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Wissenschaftliche StudieDurch Gewalterfahrungen altern Kinder schneller

Ungenaue Werte bei Bluttest

Dass Kinder, die sexuellen Missbrauch, körperliche und seelische Gewalt erleben sogar schneller altern, konnte in Untersuchungen, die von Psychologen der Universität des US-Staates Washington in Seattle durchgeführt wurden, gezeigt werden.

Die Wissenschaftler untersuchten 247 Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren. Nach Angaben der Psychologin Katie Mc Laughlin, einer Mitautorin der Studie, war bei Kindern, die seelische, körperliche und sexuelle Misshandlungen erlebt hatten, die körperliche Entwicklung beschleunigt und eine frühzeitige Pubertät zu beobachten, während bei Kindern, die unter Nahrungsmangel litten, die körperliche Entwicklung verzögert war.

Diese Ergebnisse erklären die amerikanischen Wissenschaftler mit der „Life-history"- Theorie von Evolutionsbiologen: Die beschleunigte Reifung habe eine rasche Fortpflanzung in einer lebensfeindlichen Umgebung zum Ziel. Bei Nahrungsmangel versuche der Körper dagegen Energie zu sparen und die Fortpflanzung auf später zu verlegen. Auch durch Untersuchungen der Chromosomen der betroffenen Kinder konnten die Wissenschaftler nachwiesen, dass die epigenetische „Lebenszeituhr" der Kinder mit Gewalterfahrungen beschleunigt war: Es zeigte sich, dass das Ausmaß der Methylierungen an den Chromosomen erhöht war. In welchem Ausmaß Stresserfahrungen in der Kindheit negative Auswirkungen auf die spätere Gesundheit haben können, machen auch Daten der europaweit durchgeführten Studie „Survey of Health, Ageing and Retirement" (SHARE) deutlich, in der 27 000 Menschen über 50 zu ihren Kindheitserfahrungen befragt wurden.

Bei Studienteilnehmern mit psychosozialen Belastungen wie Misshandlungen, traumatischen Erlebnissen, emotionaler Vernachlässigung und Armut war das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöht. Kindern und Jugendlichen ein sicheres, stabiles und Armut freies Umfeld zu ermöglichen, könnte deshalb effizienter sein als die Behandlung im Alter, unterstreichen deshalb die Experten.

PS
AdolescentsBiological Psychiatry (2018; doi: 10.1016/j.biopsych.2018.09.008). Aktuelle Kardiologie 2018; 2018; 7 (5); S. 357–362