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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Notfall Kinderintensivpflegeknw bildet Task Force

Die Versorgungsqualität in Deutschlands Kinderintensivpflege nicht nur zu erhalten, sondern nachhaltig zu verbessern, ist ein gemeinsames Ziel von Dr. Annette Mund, Vorsitzende des Kindernetzwerks, Kai Rüenbrink und Birgit Höveler der Kinderherzstiftung, Elisabeth Sticker des Vereins Hypoplastische Herzen e.V. und des Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. (BVHK) sowie Hermine Nock, ebenfalls BVHK.

Da der Pflegenotstand in der Kinderintensivpflege besonders hoch und die Pflegeausbildung nicht ausreichend die Belange der Kinder und Jugendliche berücksichtigt, haben sie gemeinsam eine Task Force gebildet und formulierten zu ihrem Arbeitsthema „Notfall Kinderintensivpflege" Lösungsansätze, um diese aktiv und zeitnah in die Politik einzubringen.

Gemeinsam setzten sie beispielsweise bereits einen Brandbrief an die Bundesregierung auf und beschlossen, einen Appell direkt an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu richten. Darüber hinaus ist eine Kampagne zur Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes Kinderpflege geplant.

Foto: Die Task Force „Notfall Kinderintensivpflege": (v.l.n.r.) Kai Rüenbrink, Kinderherzstiftung/ Birgit Höveler, Hypoplastische Herzen in BVHK/ Prof. Elisabeth Sticker und Hermine Nock, BVHK/ Dr. Annette Mund, Kindernetzwerk.

Diese Fakten zur Versorgung der Kinder in Intensivstationen haben das Kindernetzwerk weiter alamiert:
Im November 2018 waren rund 20 Prozent der möglichen Intensivbetten wegen fehlender Pflegekräfte gesperrt. Demnach gaben 25 Prozent der befragten Stationen an, 2017 25 bis 50 Patienten wegen fehlender Bettenkapazitäten nicht aufgenommen zu haben. Weitere 25 Prozent mussten sogar 50 bis 100 Kinder ablehnen. 72 Prozent der befragten Stationsleiter gaben an, dass in ihrer Region ein Defizit an Intensivbetten für Säuglinge und Kinder herrsche. „Wir steuern seit Jahren offenen Auges auf dieses Problem zu und können nun in einem der reichsten Länder der Welt die flächendeckende Versorgung von kritisch kranken oder schwer verletzten Kindern nicht mehr sicher gewährleisten", sagte der DIVI-Vertreter Dr. med. Florian Hoffmann, Oberarzt auf der Interdisziplinären Kinderintensivstation am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Pflegepersonalmangel gefährde die Patientensicherheit und Versorgungsqualität kritisch kranker und verletzter Kinder, insbesondere in großen Ballungsräumen.
(Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI): Umfrage der DIVI-Sektion „Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin" unter Kinderintensivstationen in Deutschland. Ärzteblatt Nov. 2018)

In diesem Punkt stellt sich das knw hinter das Recht der UN-Kinderrechtskonvention von 1989, das seit 1992 auch in Deutschland in Kraft getreten ist: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit."

Das knw fordert
• das vollständige Umsetzen der UN-Kinderrechtskonvention hin zu einer bestmöglichen (und nicht nur ausreichenden) gesundheitlichen Versorgung gerade von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit chronischen und seltenen Erkrankungen und/oder Behinderung, in Ar-mut oder mit Migrationshintergrund
• das Einsetzen eines ähnlich dem Wehrbeauftragten mit Befugnissen und Fachkräften ausgestatten unabhängigen Kinderbeauftragten im Bundestag zur Stärkung des Kinderbewusstseins
• mehr ganzheitliche Ansätze in der Pädiatrie, die bereits im Studium nicht nur das auf maximale Kostensenkung gerichtete Arbeiten und reine Organfächer in den Fokus stellen. Stattdessen brauchen wir mehr finanziell abgesicherte Versorgungsstrukturen, in denen auch nicht ärztliche Berufe und das Erfahrungswissen der Eltern-Selbsthilfe stärker zum Tragen kommen

Die Ökonomisierung in der Kindermedizin schreitet unaufhaltsam voran:
Seit 1991 hat jede 5. Kinderklinik schließen müssen: Während Fallzahlen stiegen und sich die Verweildauer halbierte, stieg der Leistungsdruck, zusätzlich zum Personalmangel. Deswegen meldeten sich immer mehr Kliniken von der Versorgung ab. Konsequenz: Versorgungsengpässe und längere Anfahrtswege, erhöhtes Gefährdungspotential vor allem bei seltenen Erkrankungen
(Quelle: DÄB 30.11.2018)

Ein durchschnittlicher direkter Patientenkontakt auf Station betrug im Durchschnitt 35 % der Arbeitszeit. (Quelle: DÄB 2017)

In diesem Punkt fordert das knw deshalb:

• Erhalt und Erweiterung von Krankenpflegeschulen sowie besondere Anreize für Schulen, die sich nicht aus Verantwortung ziehen, sondern sogar aufstocken, um dem Mangel zu begegnen.
• Wiedergewinnung bereits qualifizierter Kräfte durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (z.B. familienfreundliche Schichtpläne, krankenhaus¬eigene Kitas)
• Sicherstellung der Finanzierung von strukturierten Austauschmöglichkeiten (z.B. Fallbesprechun-gen, Qualitätszirkel, Supervision Kriseninterventionspro¬gramme).
• Festlegung eines verbindlichen Mindest-Personalschlüssels für die Kinderintensivpflege, bis hin zu einem 1 zu 1-Schlüssel bei besonders pflegeintensiven Konstellationen

Um die Pflege, besonders die der Kinder und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen dauerhaft zu verbessern, wird die Task Force im engen Kontakt mit den Kinderkliniken bleiben!