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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Endlich ein individueller Ansatz?Sozialpädiatrie

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Eltern mehrfach behinderter Kinder fühlen sich bei Fachärzten oft nur unzulänglich betreut, denn der Blick aufs große Ganze fehlt, der Fokus liegt meist nur auf dem Fachbereich des jeweiligen Arztes.


Die Sozialpädiatrie bietet hier einen ganzheitlichen und individuellen Therapieansatz.

In Sozialpädiatrischen Zentren (SPZs) werden kranke Kinder zusammen mit ihren Eltern stationär aufgenommen und dort zu spezifischen Therapiemaßnahmen angeleitet. Diese sind interdisziplinär, d.h. es arbeiten Ärzte aus den verschiedensten Fachbereichen zusammen. So wird beispielsweise mit Kinderärzten, Psychologen, Physiotherapeuten, Heilpädagogen, Logopäden und Ergotherapeuten ein individuell auf jedes einzelne Kind zugeschnittenes Förderprogramm erstellt. Ein weiterer Fokus liegt auf Prävention und Früherkennung von Krankheiten sowie dem Miteinbezug von Lebensumfeld und Umwelteinflüssen. D.h. für eine bestmögliche Therapie und Betreuung werden alle Faktoren und nötigen Fachrichtungen miteinbezogen.

Die Besonderheiten von Sozialpädiatrischen Zentren im Vergleich zu anderen pädiatrischen Institutionen sind eine hohe Interdisziplinarität und der Einbezug der Familie in die Therapie als konzeptioneller Schwerpunkt. Außerdem gibt es einen hohen Anteil an psychotherapeutischen beziehungsweise psychosozialen, und rehabilitativen Interventionen. – Organmedizinisch und medizinisch-technischen Interventionen stehen hier nicht im Vordergrund , denn es geht nicht darum, für ein bestimmtes organisches Symptom ein Medikament zu finden, sondern immer mit Blick auf die Ganzheitlichkeit, die Lebensqualität insgesamt zu verbessern. Die Zentren bieten eine Betreuung der Kinder bis ins Jugendalter und fungieren als Schnittstelle zwischen klinischer Pädiatrie, pädiatrischer Rehabilitation und öffentlichem Gesundheitsdienst.

Spezielle Hilfen durch einen ganzheitlichen Ansatz

Der Ansatz der Sozialmedizin ist nicht neu: Die erste sozialmedizinische Zeitschrift erschien bereits 1783. Zentrale Figur in der Geschichte der Sozialmedizin war unter anderen Prof. Dr. Friedrich Hellbrügge. Er gründete 1968 in München das erste Zentrum für Sozialpädiatrie. Hier sollten die neusten Erkenntnisse in der Frühdiagnostik und –therapie zum Einsatz kommen und die Lücke im Versorgungssystem für Kinder mit besonderen Bedürfnissen geschlossen werden. Heute gibt es in ganz Deutschland über 150 Sozialpädiatrische Zentren nach diesem Vorbild. Die diagnostischen und therapeutischen Spektren unterscheiden sich von SPZ zu SPZ. Auf der Suche nach dem Passenden lohnt sich nicht nur der Blick auf die Entfernung zum Wohnort, sondern auch auf die dortigen speziellen Angebote. Diese reichen von Montessori-Therapie über medizinische Genetik bis zur Ergotherapie.

 

 

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Einordnung Sozialmedizin

Die Sozialpädiatrie ist ein Teilbereich der Sozialmedizin. Doch was ist das überhaupt und welche Aufgaben haben Sozialmediziner und Gutachter? Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Krankheit, Gesundheit, Individuum und Gesellschaft sind Gegenstand der Sozialmedizin. Sowohl als angewandte Sozialmedizin, als auch in Forschung und Wissenschaft. Dabei werden zum Beispiel die durch gesellschaftliche Umwelt und Sozialstruktur bedingte Ursachen von Krankheiten oder die Entwicklung des Gesundheitswesens und der sozialen Sicherung untersucht. Im Vordergrund steht also nicht ausschließlich die kurative Behandlung, sondern auch Ursachenforschung, die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen und die Bewältigung gesundheitlicher Probleme mit ihren sozialen Folgen in der Bevölkerung. Ein als sozialmedizinischer Gutachter tätiger Facharzt steht stets im Spannungsfeld zwischen den Interessen des Individuums und denen der Solidargemeinschaft und erstellt beispielsweise Gutachten über die Dauer einer Arbeitsunfähigkeit oder einen Behinderungsgrad.

Forschung heute

Das Ziel der Forschung in der Sozialpädiatrie ist eine zielgerichtetere Therapie und die spezielle Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Der aktuelle Bedarf in den verschiedenen Bereichen von Diagnostik und Therapie muss ermittelt und mit den vorherrschenden Versorgungsstrukturen verglichen werden. Da jedes SPZ einen eigenen Forschungsschwerpunkt mit Studien hat, lässt sich wenig über die Forschung im Allgemeinen sagen. Auch hier lohnt sich eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen SPZs, um das Passende zu finden, auch im Hinblick auf die eventuelle Teilnahme an medizinischen Studien.

Wem also nach dem Arztbesuch oft der gesamtheitliche Blick auf Diagnosen und vor allem mögliche Therapieformen fehlen, für den kann sich die Sozialpädiatrie und ein Besuch in einem Sozialpädiatrischen Zentrum durchaus lohnen!

Eine Liste aller SPZs gibt es bei der DGSPJ

Weitere Infos/ Links:

Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V. (DGSPJ)

Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention

 

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