Graustufen
Bilder deaktivieren
Sound bei Tastenanschlag
Schriftgröße
knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Unhaltbar: wie Berechnungs­grundlagen der Arzt-Patienten-Beziehung schaden

Für den Therapieerfolg in der Versorgung von kranken Kindern ist eine intakte Arzt-Patienten-Beziehung von fundamentaler Bedeutung. Doch Eltern beklagen immer wieder fehlende Zeit des behandelnden Arztes oder eine unvollständige Erläuterung der Befundlage und des therapeutischen Konzeptes. Das liegt vor allem an den Berechnungsgrundlagen...

Im Gütersloher Organisationskatalog (GOB) werden für den ärztlichen Patientenkontakt stationär 12 min/Tag und ambulant 7 min/Kontakt veranschlagt, was die Geschäftsführungen gerne als Berechnungsgrundlage der Personalausstattung heranziehen. Dass gerade die ambulante Anbindung an interdisziplinäre Behandlungsteams wesentlich für eine gute Therapie-Compliance bzw. die Vermeidung akuter oder später Komplikationen ist, wird durch die niedrigen Erlöse für die ambulanten Leistungen der Kliniken konterkariert, in denen der Großteil der Behandlungsteams angesiedelt ist.

Bundesweit erhalten Kinderkliniken für ambulante Leistungen im Rahmen der Notfallversorgung einen Gesamtbetrag von etwa 20 Euro aus dem Budget der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), womit die beteiligten Ärzte, das Pflegepersonal, das medizinisch-technische Personal und die Laborleistung bezahlt werden sollen (für die Sonographie kann ein zusätzlicher Betrag von 7 Euro erlöst werden).

Die langfriste ambulante Behandlung chronisch kranker Kinder erbringt pro Quartal zwischen 45 bis160 Euro über den sogenannten Hochschulambulanz-Schein, etwa 200 Euro über sogenannte Ermächtigungen (§ 116b SGB V) und zwischen 213 bis 695 Euro über das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ). Die Beträge sind in südlichen Bundesländern in der Regel günstiger, weil den Krankenkassen höhere Einnahmen zur Verfügung stehen.

Obwohl der Gesetzgeber Sozialpädiatrische Zentren für alle chronisch kranken Kinder konzipiert hat, stehen sie oft nur einem begrenzten Patientenkreis zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Wartezeiten für Patienten auf Hilfe und damit Diagnostik, Therapie und Rehabilitation in einer Reihe von SPZs 4-6 Monate oder mehr betragen. Auch wird Eltern zugemutet, vielfach weite Wege mit ihren sehr oft schwer betroffenen Kindern in Kauf nehmen zu müssen, um ein SPZ aufsuchen zu können.

Zu fordern ist ein kostendeckendes Abrechnungsmodell für Kinder und Jugendliche mit chronischer Erkrankung bzw. eine für diese Alters- und Krankheitsgruppe adäquate Erlös- und Honorarsystematik, wie es bereits der Deutsche Ethikrat (Patientenwohl als ethischer Maßstab für das Krankenhaus) 2016 formulierte. Zusätzliche Zeitziffern (sprechende Medizin, Teambesprechungen), medizinische Dokumentare, „Physician Assistants" und Managementmitarbeiter vor Ort als Zuarbeiter sind geeignet, mit Entschleunigung statt Effizienzsteigerung die Kontaktzeiten zum chronisch kranken Kind und Jugendlichen zu vertiefen, um damit Vertrauen und Zuversicht zu schaffen.