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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Unlösbar: das Dilemma der interdisziplinären Teams

Um die ganzheitliche Versorgung chronisch kranker Kinder und Jugendliche unter Einbezug der Familie zu gewährleisten, müssen in den Krankenhäusern leistungsfähige interdisziplinäre Teams, die sektorübergreifend, d.h. auch mit der hausärztlichen Lotsenfunktion des niedergelassenen Kinder-und Jugendarztes vernetzt sind, eingesetzt werden. Aber selbst wenn es diese Teams gibt, können sie nicht richtig arbeiten...

Die medizinische Leitung interdisziplinärer Teams muss durch qualifizierte Kinder- und Jugendärzte erfolgen, die eine spezielle strukturierte Weiterbildung mit abschließender Prüfung absolvierten – in der Regel 2-3 Jahre zusätzlich zur 5-jährigen Weiterbildung zum Facharzt für Kinder und Jugendmedizin. Im Rahmen dieser Ausbildung wird ihnen auch das Wissen über die vielen seltenen Erkrankungen des Kindes und Jugendalters vermittelt. Die meisten dieser interdisziplinären Teams sind in Kliniken vorhanden.
Problem jedoch hier:

  • Es lastet ein enormer Kostendruck auf den interdisziplinären Teams, weil sie die Refinanzierung ihrer Tätigkeit gegenüber der Klinikleitung rechtfertigen müssen.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die in Deutschland die ambulante Versorgung sicherstellt, befindet sich in einem Interessenskonflikt, weil jeder Erlös für Kliniken das Budget für die eigenen KV-Mitglieder, das heißt die niedergelassenen Ärzte, belastet.
  • In diesem Konfliktfeld mit der Erwachsenenmedizin kann keine rationale Versorgung chronisch kranker Patienten erfolgen.
  • Es fehlen Anreize für subspezialisierte Kinder-und Jugendärzte zum Ausüben ihrer Kompetenzen in Klinik und Praxis

Und so stehen die Nachwuchskräfte der interdisziplinären Teams mitten im Dilemma: Sie müssten und können, aber dürfen ihren anvertrauten Patienten nicht helfen. Es ist für sie desillusionierend, nach einer langen Ausbildung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben letztlich nicht „einsetzbar" zu sein – Eine Lösung kann nur durch den Gesetzgeber selbst kommen.