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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Unvereinbar: Prävention und Wirtschaftlich­keitsgebot

In der Regel ist Prävention umso effektiver, je früher sie ansetzt, womit der Nutzen für Kinder und Jugendliche besonders groß ist. Prävention bei chronischer Erkrankung bedeutet Zweiterkrankungen, kurz- oder längerfristige Komplikationen, aber auch Behinderungen (Arbeitslosigkeit) zu vermeiden. Für medizinische Leistungen von Kindern und Jugendlichen werden jedoch im Jahr lediglich 1.000 Euro in Deutschland ausgegeben. Dieser Betrag steigt mit dem Alter: über dem 65. Lebensjahr sind es 6.000 Euro jährlich! Bei Kindern lohnt sich – im Gegensatz zu Erwachsenen – eine präventive Maßnahme schon in weniger als 10 Jahren.

Leider werden in Deutschland viele Korrektur-, Entwicklungs- und Rehabilitationspotentiale verpasst. Zu sehr werden gesundheitliche Maßnahmen wie Bilanzen in jährlichen Abständen geprüft. Das Marktinteresse von Wirtschaftsunternehmen fehlt oft, weil für sie die Behandlung einer Erkrankung lukrativer ist als deren Vermeidung.

Ein Beispiel:
Eine Schluckimpfung zur Vermeidung einer Zöliakie (Weizenunverträglichkeit) würde etwa 150 Euro einmalig pro Patient kosten. In wissenschaftlicher Entwicklung sind Medikamente zur Behandlung der Zöliakie, die eine lebenslange strikte Diät erübrigen sollen, aber mit jährlichen Kosten von etwa 100.000 Euro pro Jahr verbunden sind. Deshalb ist die etablierte Therapie eine lebenslange (glutenfreie) Diät, die den Patienten selbst 70.000 – 140.000 Euro kostet.
Da es bedauerlicherweise häufig für Kinder und Jugendliche an einem Markt für Prävention mangelt, müssen Instrumente angeboten werden, dass sich Prävention für diejenigen lohnt, der die Prävention durchführen.

In diesem Kontext ist es überfällig, den Widerspruch zwischen dem „Wirtschaftlichkeitsgebot" (WANZ) des Sozialgesetzbuches und dem Anspruch der Kinder und Jugendlichen und ihrer Eltern auf ein „Höchstmaß an Gesundheit", wie er von der UNO formuliert wurde und seit 1992 in Deutschland in Kraft ist, aufzulösen.