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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Unzeitgemäß: der ambulante Sicherstellungs­auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Deutschlands ist ein Instrument der sogenannten medizinischen Selbstverwaltung, mit deren Budget die ambulante Versorgung primär außerhalb der Kliniken sichergestellt wird.

Dieses Budget wird belastet, wenn im Notfall oder im Fall der Überweisung eine Klinik eine ambulante Versorgung übernimmt. Sie kann speziell ausgebildete Ärzte, die in einer Klinik tätig sind, über § 116 V des Sozialgesetzbuches ermächtigen, d.h. aus dem Budget der außerklinischen Versorgung refinanzieren, falls der Zulassungsausschuss der KV entscheidet, dass die Versorgungsleistung (z.B. eines Kinder-Pneumologen) in der Region außerklinisch nicht zur Verfügung steht.
Von den etwa 360.000 berufstätigen Ärzten Deutschlands sind nur knapp 4% Kinder- und Jugendärzte; insofern ist die Kinder- und Jugendmedizin bei den Mehrheitsentscheidungen in den Zulassungsausschüssen der KV unterrepräsentiert.

Leider ist der ambulante Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für chronisch kranke Kinder und Jugendliche nicht mehr zeitgemäß:
1. Grund: Der Sicherstellungsauftrag der KV stammt aus einer Zeit, in der die Behandlungsmöglichkeiten chronischer kranker Kinder noch sehr eingeschränkt waren.
2. Grund: Die Auffassung, dass man Kinder und Jugendliche mit chronischer Erkrankung auch ohne spezielle Weiterbildung qualifiziert versorgen kann, widerspricht der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer, wissenschaftlichen Kenntnissen und internationalen Leitlinienempfehlungen.

Es gab in der Vergangenheit viele Versuche, die intersektorale Versorgung zu verbessern: Chronisch kranke Patienten brauchen eine kompetente stationäre Versorgung, wenn sie akut erkrankt sind. Aber eine stationäre Behandlung ist für sie in besonderem Maße kontraproduktiv, wenn sie durch eine qualifizierte ambulante Versorgung verhindert werden kann.

Der Anspruch der Eltern mit ihrem chronisch kranken Kind auf einen qualifizierten, speziell nach Ärztekammer weitergebildeten Arzt bzw. eine wirklich freie Arztwahl (unabhängig von KV-Vorgaben) muss erfüllt werden. Erfolgreiche Modelle hierzu wurden in anderen Ländern entwickelt; z.B. gibt es in der Schweiz mit der „Invalidenversicherung" für viele Patienten mit chronischer (angeborener) Erkrankung ein breites Leistungsspektrum.