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knw Kindernetzwerk e.V.
Dachverband der Selbsthilfe von Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen

Beschreibung unserer MitgliedsorganisationenBundesverband behinderter Pflegekinder e.V.

Jedes Kind hat das Recht auf eine Familie. Das steht zum Beispiel in der UN-Kinderrechtskonvention, die Deutschland 1992 ratifiziert hat. Das gilt auch für Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, und auch, wenn sie geistig, körperlich, seelisch oder mehrfach behindert, chronisch krank oder besonders verhaltensoriginell sind. Auch diese besonderen Kinder profitieren davon, wenn sie auf Dauer feste Bezugspersonen in einem stabilen Umfeld haben – in Pflegefamilien, in denen sie nicht nur versorgt, sondern auch angenommen und geliebt werden.
Pflegekinder mit Behinderung haben – über ein liebe- volles Zuhause hinaus – fast immer auch einen dauerhaften Bedarf an pflegerischer und medizinischer Betreuung, manchmal auch an intensiv- oder palliativ- medizinischer Versorgung. Dieser Bedarf zeigt sich jeweils ganz individuell und kann ganz unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen.

Als Selbsthilfeorganisation von Pflegeeltern, die genau diese Kinder aufnehmen und ihnen eine Familie geben, wurde der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. (BbP) 1983 gegründet. Er unterstützt, stärkt und berät Pflegeeltern nach dem jeweiligen Bedarf ihrer Kinder. Er hilft Jugendämtern, Pfle- gepersonen für die Vermittlung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen zu finden. Und er vertritt die Interessen von Pflegefamilien und von Kindern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, die nicht in ihren Ursprungsfamilien aufwachsen können, auf politischer Ebene.

Statistik
Derzeit 530 Mitgliedschaften, darunter fast 500 Familien mit über 1.000 Pflegekindern unter 18 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Zahl der Pflegekinder in Deutschland liegt bei rund 84.000. Wie viele davon mit einer Behinderung leben, wird statistisch leider nicht erfasst. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil von Menschen mit Behinderung bei knapp zehn Prozent. Wir gehen davon aus, dass der Anteil bei Pflegekindern sehr viel höher liegt, möglicherweise sogar deutlich über der Hälfte.

Aufgaben und Ziele
• Vermittlungshilfe zwischen geprüften Bewerberfamilien, die ein Kind mit besonderen Bedürfnissen aufnehmen möchten, sowie Jugendämtern und freien Trägern, die einen entsprechenden Pflegeplatz suchen
• Beratung und Information von Pflegefamilien auf unterschiedlichsten Gebieten durch erfahrene und geschulte Fachberater
• Austausch von Pflegefamilien untereinander bei Familienfreizeiten und Regionaltreffen
• Fortbildung für Pflegeeltern und Mitarbeiter im Pflegekinderwesen durch Seminare, Fachtagungen und Vorträge
• Netzwerk mit anderen Selbsthilfegruppen, Trägern, Verbänden, Kliniken, Hospizen und Fachleuten aus den Bereichen Jugendhilfe, Sozial- hilfe, Medizin, Pflege, Recht und Reha-Technik

• Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über die Situation von Pflegefamilien mit besonderen Kindern und notwendigen Verbesserungen
• Fachzeitschrift „mittendrin" zweimonatlich mit Themen rund um Pflegekinder mit Behinderung
• Politische Interessenvertretung für Pflegeeltern und ihre besonderen Kinder sowie Mitarbeit in bundespolitischen und die Gesetzgebung vorbereitenden Gremien

Vorhaben und Projekte
• Verbesserung der rechtlichen Situation für Pflegekinder mit Behinderung und für deren Familien
• Weiterhin Durchführung von Seminaren, Fortbildungen, Familienfreizeiten, Regionaltreffen und Vorträgen
• Stärkung und Ermutigung von Pflegeeltern in ihrer jeweiligen Position

Aktuelle Probleme / Herausforderungen
Aktuell gibt es keine Rechtssicherheit für Pflegekinder mit Behinderung und je nach Amt unterschiedliche Regelungen. Pflegefamilien hängen buchstäblich in der Luft. Wir fordern deshalb ganz konkret als Erste- Hilfe-Maßnahmen:
• Sofortige Bemühungen und zeitnahe Realisierung einer gesetzlichen Übergangslösung zur Unterbringung von Kindern mit Behinderung in Pflegefamilien! Derzeit ist es dem Zufall überlassen, ob ein Kind mit Behinderung, welches nicht in seiner Herkunftsfamilie leben kann, in einer Pflegefamilie aufwachsen darf. Der jüngste Entwurf zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat zum wiederholten Male „unseren" Kindern keinerlei Beachtung geschenkt. Die Übergangsregelung muss bis zum Eintritt der inklusiven Lösung bestand haben.
• Bedarfsgerechte Ausstattung und Beratung für Pflegefamilien! Die Ausstattung und Hilfe, die eine Pflegefamilie eines Kindes mit Behinderung erhält, ist nirgendwo geregelt. Zuständigkeitswechsel führen immer wieder zu Verlust von Leistungen, die zuvor für jeden Einzelfall hart erkämpft werden mussten. Beratung und Weiterbildung werden häufig gar nicht erst installiert.
• Kontinuitätssicherung auch über das 18. Lebensjahr hinaus! Keines unserer Pflegekinder ist mit dem 18. Lebensjahr erwachsen und verselbstständigt. Der jüngste Gesetzesentwurf sieht keine Hilfen für Kinder mit Behinderung im jungen Erwachsenenalter vor. Notlösungen wie Gastfamilien sind ein Hohn. Kinder, die in ihrer Pflegefamilie aufgewachsen sind, sind nicht zu Gast in ihrem Zuhause!

Zentrale Kooperationspartner
• Kindernetzwerk e.V.
• Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm)
• Deutsche Liga für das Kind e.V.
• Runder Tisch der Adoptiv- und Pflegefamilienverbände